Von Stern zu Stern von Robert A. Heinlein

Pat und Tom Bartlett sind Zwillinge mit einer ganz besonderen Fähigkeit: Sie können sich untereinander telepathisch verständigen. Wissenschaftler finden heraus, dass Telepathie nicht unter die Gesetze der normalen Physik fällt, was die Zwillinge sehr wertvoll macht. Man setzt sie als Kommunikationsrelais zwischen der Erde und interstellaren Raumschiffen ein, die sich mit annährender Lichtgeschwindigkeit auf eine Expedition durch den Kosmos begeben. Aber nicht nur Pat und Tom haben diese Fähigkeit, auch andere Zwillingspaare warten damit auf. Der Plan sieht vor, dass einer von ihnen auf der Erde zurückbleibt, während der andere sich an Bord eines Raumschiffs begibt. Zusammen halten sie die Verbindung zur Heimat aufrecht. Jeden Schiff werden mehrere Telepathen zugeteilt, so dass man die Aufgaben verteilen kann. Der sechzehnjährige Tom wird der Lewis and Clarke zugeteilt, während sein Bruder zurückbleibt. Für Tom eröffnen sich dabei Einblicke, wie er sie in seinen kühnsten Träumen nie erwartet hätte…
 
Der 1956 erschienene Roman stellt einen weiteren Beitrag zur Jugendliteratur des Autors dar. Meist setzt er dabei auf einen Protagonisten, der gleich als oder zumindest etwas älter als der anvisierte Leser. Dabei legt er großen Wert die Ausbildung von Pat und Tom so detailliert wie möglich zu schildern. Sicher, die Methoden stammen aus den 50er Jahren, einer Zeit also, in der Raumfahrt meist noch in den Köpfen von Wissenschaftlern und SF-Autoren stattfand, aber dennoch besitzen seine Beschreibungen Hand und Fuß. Manches erinnert an jene Trainingsmethoden, die auch bei den amerikanischen Astronauten der Mercury– bzw. Gemini-Missionen angewandt wurden. Interessant beschreibt er auch die Hierarchie an Bord der Lewis and Clarke, die zwar militärisch durchstrukturiert ist, aber dennoch nicht ganz eindimensional dargestellt wird. Allerdings, und das fällt bei vielen Jugendromanen aus der Feder Heinleins auf, bleibt die Charakterentwicklung etwas auf der Strecke. Sicher, die Umgebung und auch die Persönlichkeiten der Protagonisten ändern sich, allerdings bleibt alles in einem sehr überschaubaren, oft vorhersehbaren Rahmen. Auf der anderen Seite steht eine sehr attraktive Handlung mit einem sehr klaren Verlauf. Was den Roman außerdem interessant macht, ist der subjektive Erzählstil in Form einer Art Tagebuch. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass der Erzähler eigentlich nicht freiwillig seine Zeilen zu Papier bringt, sondern auf Anraten des Bordpsychologen. Doch im Verlauf des Roman merkt man, dass ihm dies gut tut und in seinem Verlauf immer besser mit dieser Methode der Ereignisbewältigung zurechtkommt.  Eine interessante Variante, der den Roman nicht nur für Jugendliche reizvoll macht.
 
Oft wird die Frage gestellt, was der ideale Einstieg für einen jungen Leser in die Science Fiction-Literatur ist. An Auswahl mangelt es dabei nicht, wie diverse Reihen wie Mark Brandis beweisen. Auch wenn Von Stern zu Stern mittlerweile über 50 Jahre auf dem Buckel hat und stellenweise in seiner Erzählweise etwas antiquiert wirkt, so kann man ihn immer noch als eine der Einstiegsmöglichkeiten jenseits von Zyklen und Reihen sehen.  Ein Roman, der nicht nur für jugendliche Leser geeignet ist, sondern auch dem gereiften Science Fiction-Fan einige Unterhaltung bieten kann.
 
Von Stern zu Stern
von Robert A. Heinlein
Originaltitel: Time for the Stars
erschienen bei Bastei-Lübbe 1997
ISBN: 3-404-23191-0
Umfang ca. 256 Seiten

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