Star Wars: Ahsoka

Es steht außer Frage, Ahsoka Tano gehört mit zu den beliebtesten Charakteren im Star Wars-Universum. Seit ihrem ersten Auftritt zu Beginn der TV-Serie Star Wars: The Clone Wars hat sich Snips, wie sie von Anakin Skywalker genannt wird, in die Herzen der Fans gemogelt. Interessant ist es, wie sehr sich der Charakter von einem schnippischen Youngling zu einer klug kalkulierenden Strategin entwickelt, deren eigene Ansichten immer mehr mit ihrer Ausbildung als Jedi kollidiert. Ihr Glauben wird dabei so schwer erschüttert, dass sie ich gezwungen sieht kurz vor dem Ende den Orden zu verlassen, um ihr Glück auf eigene Weise zu versuchen.

Star Wars: Ahsoka beginnt genau in dieser Situation. Genauer gesagt kurz nachdem die berüchtigte Order 66 zum Tragen kam, bei der die meisten Jedi ums Leben kamen. Gleichzeitig übernahm Imperator Palpatine die Herrschaft über die alte Republik, um sie nach und nach in ein Imperium umzuwandeln. Abgeschnitten von jeglicher Information über den Verbleib ihrer Freunde, versteckt sich Ahsoka im Outer Rim auf einem abgelegenen Farmplaneten. Mit ihren Fähigkeiten als Mechanikerin verdient sie sich ihren Lebensunterhalt und hofft, dass das Imperium den Planeten übersieht. Als aber dann doch ein Sternenzerstörer auftaucht, der zudem noch Truppen absetzt, flieht Ahsoka widerstrebend. Sie will ihre neu gewonnenen Freunde nicht schutzlos zurücklassen. Anderseits soll auch niemand von ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten erfahren. Vor allem nicht jene rätselhafte Gestalt, die die imperialen Truppen begleitet und offensichtlich spezialisiert ist Jedi zu jagen. Ahsoka steht nun vor einer schwerwiegenden Entscheidung, die sie nur in der ihr eigenen Art lösen kann.

Eigentlich gehören Star Wars-Romane nicht zu meinen üblichen Lesegewohnheiten. Aber ab und zu mache ich auch Ausnahmen wie bei Steven Perrys Schatten des Imperiums oder die Han Solo-Trilogie von A. C. Crispin. Da ich die Figur der jungen Padawan bereits in Star Wars: The Clone Wars sehr mochte und ich auch ihr Auftauchen in Star Wars: Rebels verfolgte, begann mich dieses Buch zu reizen. Ahsoka deckt den Zeitraum zwischen den beiden TV-Serien ab. Außerdem handelt es sich um einen der neuen „Kanon“-Romane. Sprich seine Schilderungen gehören offiziell zu dem Rahmen, der mit den bereits bekannten Filmen und TV-Serien gesteckt wurde. Bereits vor dem Verkauf des Star Wars-Franchises an den Disney-Konzern gab es diesen Kanon. Doch nachdem die Maus das Heft in die Hand genommen hatte, wurden das Star Wars-Universum komplett umgekrempelt. Die alten Handlungsstränge wurden als nichtig erklärt und nur das, was nach Star Wars: Das Erwachen der Macht geschrieben wurde, gehörte nun zur offiziellen Geschichte. Das schloss auch die Comics, die kurz danach von Dark Horse zu dem mittlerweile hauseigenen Marvel Comics wechselte. Nach einem großen Aufschrei der Fangemeinde hat man das allerdings wieder relativiert. Die alten Romane und Comics spielen nun in einer alternativen Zeitlinie, die unter dem Namen „Legacy“ firmiert. Eigentlich sollte beides strikt getrennt sein, aber dennoch bedienen sich viele Autoren für ihre neuen Werke nach wie vor einige Figuren aus dem alten „Expanded Universe“.

Nach einem recht furiosen Prolog schaltet Emily K. Johnston einen Gang zurück und legt einen anfangs sehr ruhigen Roman vor, in der sie sich intensiv mit ihrer Hauptfigur auseinandersetzt. Sie lotet die Psyche der Trogruta aus, die innerlich total unsicher und nicht weiß, was nach der Ausführung der Order 66 in der Galaxis geschehen ist. Das Töten der Jedi hat sie noch mitbekommen. Doch die Verwandlung von Anakin Skywalker zu Darth Vader ist ebenso entgangen, wie der rasante Aufstieg des Imperiums. Diesen sieht sie mit einem weinenden Auge, denn die Unterdrückung durch die Sturmtruppen ist allgegenwärtig. Die ehemalige Padawan versucht sich so gut wie möglich anzupassen, um nicht aufzufallen. Dazu gehört auch der Vorsatz keine intensiven Freundschaften zu schließen, aber mit ihrer offenen Art bleibt das nicht aus. Im weiteren Verlauf arbeitet die Autorin sehr gut Ahsokas Gewissenskonflikt heraus, ob sie ihre Fähigkeiten preisgeben will, als ihre neuen Freunde vom Imperium angegriffen werden. Das entscheidende Schlüsselerlebnis ist dann ein Treffen mit Senator Bail Organa, der sie ein wenig auf den richtigen Weg bringt. Danach nimmt die Handlung etwas mehr Tempo auf und gipfelt am Ende in ein Duell mit einem sogenannten Inquisitor.

Johnstons leichtfüßiger Stil macht auch Spaß, wenn die Handlung selbst auf manchmal auf der Stelle zu treten scheint. Sie weiß das Interesse des Lesers auf die Geschichte zu fokussieren, was sie auch mit einigen Cameos von bekannten Charakteren garniert und sogar einen kleinen Hinweis auf Star Wars: Rogue One in ihrem Roman versteckt.

Mir hat der rund 400 Seiten starke Roman sehr viel Spaß gemacht. Die Autorin zeichnet den titelgebenden Charakter sehr gut und bietet eine sehr plausible Handlung, die im letzten Drittel mit einiger Action aufwartet. Für mich ein sehr kurzweiliges Vergnügen, das auch für den Leser interessant ist, der sich mit der Star Wars-Materie nicht so intensiv auseinandergesetzt hat.

Star Wars: Ahsoka
von E. K. Johnston
erschienen bei der Panini Verlags Gmbh im Februar 2017
Übersetzung: Andreas Kasprzak
ISBN (Print): 978-3-8332-3450-7
ISBN (E-Book): 978-3-8332-3479-8

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