Der Marsianer

Der Mars in einer vielleicht nicht mehr so allzu fernen Zukunft…

Ein schwerer Sturm auf der Marsoberfläche veranlasst die NASA, die seit rund einer Woche laufende Ares 3-Mission abzubrechen. Die Evakuierung der Crew läuft gut, bis der Botaniker und Ingenieur Mark Watney von einem Trümmerteil der Kommunikationseinheit getroffen wird. Da sich das Wetter rapide verschlechtert lehnt die Raumfahrtbehörde eine Bergung des Astronauten ab, was von der Crew der Ares 3 nur zähneknirschend akzeptiert wird. So erfolgt der Notstart der Überlebenden zu ihrem Mutterschiff, während die NASA Mark Watney als tot eingestuft. Somit ist er der erste Mensch, der auf dem einem anderen Planeten zurückbleibt. Der erste Mensch, der auf dem unwirtlichen Mars gestorben ist…

…doch Mark Watney ist nicht tot. Durch einen Zufall überlebt er, was seine Gesamtsituation auf den ersten Blick allerdings nicht gerade bessert. Aber auch wenn die Lage hoffnungslos erscheint, ein Aufgeben kommt für ihn nicht in Frage. Allein auf sich gestellt, im Kampf mit einer absolut lebensfeindlichen Umgebung und einer Ausrüstung, die für einen längeren Einsatz nicht geplant war, beginnt er dem Kampf mit einem scheinbar unausweichlichen Schicksal, wobei ihm ein starker Überlebenswille und ein großer Erfindungsreichtum zugutekommen…

Eine Robinsonade auf dem roten Planten? Das mag zuerst Blick etwas abgedroschen klingen. Schon oft wurden ähnliche Themen behandelt, sei es nun in Filmen wie Robinson Crusoe auf dem Mars (USA 1964) oder ansatzweise auch in Ben Bovas Mars. Doch Andy Weir zäumt das Pferd etwas anders auf. Er zeichnet ein logisches, sehr nachvollziehbares Bild eines Mannes, der nur allein auf seine Fähigkeiten angewiesen und mit einem sehr beschränkten Equipment ausgerüstet ist, mit dem er sein Überleben sichern muss. Der Autor lässt dabei tief in die Seele seines Protagonisten blicken, der dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Angst, Depression und Mutlosigkeit sind vor allem in der Anfangsphase fast körperlich spürbar. Ihnen folgt im weiteren Verlauf die Motivation dem Tod ein Schnäppchen zu schlagen, indem man sehr glaubwürdige Ansätze für diverse Überlebensmöglichkeiten bietet, die Mark Watney Zug um Zug verwirklicht. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Gewinnung von Wasser, die sich als lebensgefährlich erweist. Weir erzählt dabei die Geschichte seiner Hauptfigur mit so launigen Worten, das sie dem Leser gegenüber noch greifbarer macht. Es steht nicht nur das Überleben auf dem Mars im Vordergrund, sondern auch ganz alltägliche Dinge. Besonders sympathisch wird Mark Watney, wenn er sich über die Geschmäcker seiner Expeditionsteilnehmer aufregt. Diese mussten wegen des überhasteten Aufbruchs ihre Sachen zurücklassen, welche Watney nun in seiner Freizeit durchsieht. TV-Serien aus den 70er Jahren und vor allem Discomusik sind nicht so seins. Mit einigem Sarkasmus und sehr trockenen Humor kommentiert er seine Situation. Verstärkt wird dies dann noch durch die subjektive Erzählweise, mit der sich ohne große Probleme in die in die Hauptfigur hineinversetzen kann. Schon relativ früh fiebert man mit Watney um sein Überleben mit, auch wenn man ab einem gewissen Punkt abschätzen kann wie die Sache ausgehen wird. Autor Andy Weir gelingt dabei seine Mischung aus Apollo 13, Castaway und MacGyver zu einem packenden Roman zu verschmelzen, der den Leser von ersten Sekunde an fesselt, egal wie phantastisch die geschilderten Überlebensmöglichkeiten zuerst erscheinen mögen. Und genau das macht das Flair von Der Marsianer aus.

Fast so phantastisch erscheint auch die Entstehungsgeschichte des Romans. Andy Weir, seines Zeichens ebenfalls Botaniker und Techniker, veröffentlichte eine erste Version davon in Form eines Blogs. Auf Drängen seiner Leser hin erarbeitete er bald eine Buchversion, die er als Selfpublisher bei Amazon.com veröffentlichte. Dort entwickelte sie sich dann zu einem richtigen Renner, der dann auch in gedruckter Form herausgebracht wurde. Der Erfolg ruft schließlich dann auch Hollywood, in Form der Filmgesellschaft 20th Century Fox, auf den Plan, wo den Stoff unter der Regie von Ridley Scott (Alien, Blade Runner) den Weg auf die Leinwand findet.

In einer Zeit, in der man oft denkt, dass alle Geschichten erzählt sind, gibt es manchmal doch Überraschungen. Da lotet die Kreativität eines Autors die Grenzen eines Genres aus, das oft als bereits ausgelutscht gilt und gewinnt ihm neue Aspekte ab, mit denen man des Leser an die Seiten fesseln kann. Mit Der Marsianer wird die Science Fiction nicht neu erfunden, aber Andy Weir zeigt mit seinem originellen Werk wie man mit den verschiedenen Klischees spielen kann ohne Langweilig zu wirken. Aus dieser Mischung heraus wird der Roman nicht nur zu einem sehr kurzweiligen Lesevergnügen, sondern auch zu einem der besten Science Fiction-Werke der letzten Jahre.

Der Marsianer
von Andy Weir
erschienen im Heyne Verlag im Oktober 2014
Umfang: ca. 512 Seiten
ISBN (Pb): 978-3-453-31583-9
ISBN (Tb): 978-3-453-31691-1 (ab Oktober 2015)
ISBN (E-Book): 978-3-641-14400-5

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