Revisited: Star Trek: Deep Space Nine

Es gibt Leidenschaften und sogenannte „Guilty Pleasures“, die einen nie loslassen. Dabei muss jeder für sich selbst entscheiden was er in welche Kategorie einordnet. Ich muss zugeben, dass ich schon immer von Star Trek fasziniert war. Anfangen mit den 26 Folgen der klassischen Serie, die das ZDF in den 70er Jahren immer sonntags um 18:15 Uhr im Wechsel mit Bonanza ausgestrahlt hat. Erst viel später hatte man Gelegenheit sich die restlichen Folgen zu gönnen und mittlerweile werden die Star Trek-Serien auf diversen Sendern rauf und runter genudelt. Gespickt mit sinnfreien Einblendungen und jeder Menge Werbepausen. Sorry, aber zu dieser Art der „Verwertung“ bin ich einfach nicht mehr bereit. Vor allem auch deswegen, weil es zahlreiche andere Möglichkeiten gibt, um sich diese Sachen in einer angenehmeren Form zu konsumieren. Zugegeben, ich bin ein wenig verwöhnt, denn ich lege bei meinem Star Trek-Genuss auf einige Sachen großen Wert. Dabei vor allem auf die englische Originalfassung. In meiner heißen Phase, bis etwa Ende der 90er Jahre, habe ich mir sogar die Videokassetten aus England besorgt, damit ich die Folgen noch vor der deutschen Ausstrahlung sehen konnte. Tatsächlich hat sich mein Englisch diese Vorgehensweise wesentlich verbessert. Ja, mit TV-Serien kann man seine Sprachkenntnisse recht gut aufpolieren.

Als ich hörte, dass sich Netflix die Ausstrahlungsrechte für die Star Trek-Serien gesichert hatte, hat mich das sehr gefreut. Schon lange überlegte ich an dem Erwerb der diversen DVD- bzw. Blu-ray-Boxen. Doch eigentlich sammle ich mehr Kinofilme. TV-Serien werden von mir als Fass ohne Boden angesehen, weswegen ich Streamingdienste wie Netflix ganz praktisch finde. Hier hat man alles auf Abruf und vor allem, was sehr wichtig für mich ist, auch in der jeweiligen Originalversion. Als erstes wurde die originale Star Trek-Serie in der remasterten Form ins Angebot aufgenommen, vor kurzem folgte dann Star Trek: Deep Space Nine. Gut, man hat sich nicht unbedingt an die Reihenfolge gehalten, aber was soll’s.

Über DS9 kann man geteilter Meinung sein. Die Ähnlichkeiten mit einer anderen Serie, die sich um eine Raumstation dreht, sind schon frappierend. Tatsächlich gibt es die Legende, dass Anfang der 90er J. Michael Straczinsky sein Konzept für Babylon 5 auch Paramount Pictures vorgetragen hat. Kurze Zeit später wurde dann eine Serie von Rick Berman und Michael Piller entwickelt, die einen ähnlichen Grundgedanken hatte. Aber auch wenn das Grundprinzip ähnlich erscheint, DS9 und B5 könnten nicht unterschiedlicher sein. Auch wenn beide Serien zeitlich kurz hintereinander gestartet sind, wobei bei B5 zwischen Pilotfilm und Serie rund ein Jahr verstrichen.

Für die Macher lagen die Wurzeln zu DS9 immer woanders. Sie orientierten sich etwas an den klassischen Western aus ihrer Jugend. Eine kleine Stadt mit einem Sheriff, der auf alles aufpasste und mehr oder weniger zwielichtigen Gestalten, die einen intensiven Handel betrieben oder in der Umgebung Abenteuer erlebten. Dieses Konzept konnte man, in leicht veränderter Form, auch auf ein SciFi-Szenario anwenden. Außerdem hatte man einen etwas statischeren Hintergrund als ein Raumschiff, mit dem man ebenfalls arbeiten konnte. Zwar wurde das im weiteren Verlauf etwas aufgeweicht, aber die Raumstation selbst spielte immer noch eine sehr große Rolle.

Für mich liegt der Reiz von DS9 in der Zeichnung der verschiedenen Charaktere. Im Verlauf der sieben Staffeln kommt es zu sehr interessanten Weiterentwicklungen. Allen voran natürlich Benjamin Sisko, dessen Rolle sich nicht nur auf den Kommandanten der Raumstation beschränkt, sondern auch alleinerziehender Vater ist und zugleich unfreiwillig zu einer religiösen Figur wird. Es gibt Nebencharaktere wie beispielsweise der mysteriösen Schneider Garak, die sich innerhalb von kürzester Zeit zu wahren Publikumslieblingen entpuppen. Aber auch die diversen erzählten Geschichten erweisen sich oft als reizvoll und einige davon bleiben im Gedächtnis zurück. Dazu zählen einige der besten Episoden, die das Franchise zu bieten hat. Gerne erinnere ich mich an den Ausflug der DS9-Crew in eine klassische TOS-Folge. Oder das schauspielerische Duell zwischen Major Kira (Nana Visitor) und dem undurchsichtigen Maritza (Harris Yulin) in der Folge Duet. Tja, und da wäre noch die Entscheidung von Paramount eine liebgewonnene Figur aus der TNG in die Besatzung der Raumstation aufzunehmen, was jede Menge neuen Zündstoff ergibt. Oder jene Folgen, in denen Benjamin Sisko nicht als Kommandant unterwegs ist, sondern als farbiger Autor bei einem fiktiven Science Fiction-Magazin. Nicht zu vergessen The Visitor, in der ein gealterter Jake Sisko versucht seinen Vater Benjamin aus einem Subraumphänomen zu retten.

Es ist schon einige Zeit her seitdem ich einen intensiveren Blick auf DS9 geworfen habe. Damals hatte ich mir die Serie nochmal komplett auf DVD angeschaut. Nachdem sie nun auf Netflix zu sehen ist, habe ich so etwas wie Folgenhopping betrieben. Sprich, ich habe mir die Folgen angeschaut, die mich am meisten bewegt haben. Dazu zählt auch der abschließende Zehnteiler, der auf sehr sehenswertes Serienfinale hinausläuft. Etwas, was bei den Nachfolgern wie Star Trek: Voyager und Star Trek: Enterprise nicht mehr einwandfrei funktioniert hat. Vor allem bei letzterer ist das Ende äußerst unbefriedigend, wenn ich nicht sogar peinlich.

Lange hat es nicht gedauert bis sich bei mir das alte Star Trek-Feeling wiedereingestellt hat. Das Feuer brennt nicht mehr so intensiv wie vor rund zwanzig Jahren, aber eine kleine Schwäche für das Franchise ist immer noch da. Gleichzeitig musste ich feststellen, wie sehr sich meine Sehgewohnheiten geändert haben. Mittlerweile ist man von HD sehr verwöhnt. TOS und TNG wurden vor einigen Jahren auch neu gemastert und mit neuen Effekten versehen, die man sehr liebevoll eingefügt hat. Da sich diese Versionen auf DVD und Blu-ray nicht so gut verkauften, hat man bei den anderen Serien auf das Remastern verzichtet. DS9 liegt nicht in HD vor. Vielmehr bekommt man die alte DVD-Version geboten, die vor allen in den ersten drei Staffeln mit einem überraschend schlecht gealterten Bild beeindruckt. Der Eindruck bessert sich zwar im Verlauf etwas, aber etwas Restauration wäre nicht schlecht gewesen. Gut gealtert hingegen sind zahlreiche der Spezialeffekte. DS9 war eine der ersten Serien, in denen eine Kombination zwischen Modellen und Computeranimation eingesetzt wurden. Da das damalige Budget damals schon wesentlich höher lag als bei vergleichbaren Serien, hat manches auch heute noch einen hohen Schauwert. Das gilt vor allem für die größeren Raumschlachten in den späteren Staffeln.

Gerade eben habe ich What You leave behind hinter mich gebracht. Hier wird in Spielfilmlänge DS9 zu einem interessanten, aber auch offenen Ende gebracht. Einmal mehr saß ich mit der ein oder anderen Träne im Auge vor dem Bildschirm. Einmal mehr habe ich Abschied von liebgewonnen Charakteren genommen. Auf der anderen Seite war dieser Durchlauf von DS9 wie ein Wiedersehen mit alten Freunden, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. Aber nun sind sie auf Knopfdruck verfügbar. Somit wird das wohl nicht mein letzter Besuch auf DS9 gewesen sein.

Star Trek: Deep Space Nine
created by Rick Berman & Micheal Piller
USA 1993-1999
176 Episoden
Laufzeit pro Episode: 45 Minuten

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