Ghostsitter – Band 1: Geister geerbt

Eigentlich führt Tom bei seiner Oma das ganz normale Leben eines Teenagers zwischen Schule und seinem Lieblings-Onlinerollenspiel. Das ändert sich als er überraschend die Geisterbahn seines Onkels Heinrichs erbt. Aber damit nicht genug. Er erbt auch ein großes Vermögen, was allerdings erst einmal seinem Zugriff entzogen bleibt. Erst wenn Tom es schafft das Fahrgeschäft für einen gewissen Zeitraum über Wasser zu halten, dann bekommt er auch das Geld. Hört sich ja auf den ersten Blick alles gut an, aber bei der Testamentseröffnung platzt ein etwas sinisterer Herr namens Zoracz herein, der ebenfalls ein starkes Interesse an der Geisterbahn hat; warum auch immer. Das seltsame Verhalten des merkwürdigen Herrn bewegt Tom dazu sein Erbe anzunehmen. Als er es aber zum ersten Mal sieht, lässt er alle Hoffnung fahren. Die Geisterbahn ist weit davon entfernt gruselig zu sein. Vielmehr sieht sie sehr heruntergewirtschaftet aus und dem Jungen wir klar, dass er sich eine schwere Aufgabe aufgehalst hat. Er würde ja aufgeben, wenn da nicht noch fünf Argumente wären, die ihn dazu bewegen die Flinte nicht ins Korn zu werfen und ihm quasi mit vererbt wurden. Da wäre zum einen der Vampir Vlarad, der sich vorzugsweise in das verwandelt, was er grade konsumiert hat; meist in kleine Nagetiere. Der Zombie Wombie liebt seinen Plüschhasen Ordor über alles und geht für ihn auch sprichwörtlich durch die Wand. Hop-Tep, eine tausende Jahre alte Mumie, hat nicht nur ein recht unstetes Temperament, sondern ist auch ein nahezu perfekter Ersthelfer. Toms Onkel Welf erinnert äußerlich zwar an ein prominentes Mitglied der X-Men, birgt aber ein düsteres Geheimnis, das nur bei Vollmond in Erscheinung tritt. Tja, und da ist dann noch das Gespenstermädchen Mimi, die so etwas wie die gute Seele der kleinen Familie ist. Für die bunte Truppe ist die Geisterbahn nicht nur ihr Arbeitsplatz, sondern auch eine Heimat, die man nicht im Stich lassen kann…

Genussvoll zieht Tommy Krappweis den Leser in eine chaotisch wirkende Geschichte hinein, die mit Seitenhieben auf die Popkultur gespickt ist. Hinzu kommt noch eine ganze Anzahl von schrägen Charakteren wie der undurchschaubare Zoracz, der sein Image gerne mit einem oft falschgesetzten rollenden „R“ unterstreicht. Auch Onkel Heinrichs Nachlassverwalter Rufus T. Feuerflieg hat dem Leser mehr zu bieten als seine große Ähnlichkeit mit einem legendären Komiker. Interessant wird die Sache, wenn Tom auf die Bewohner der Geisterbahn trifft, die ihn nach einigen Startschwierigkeiten als vollwertiges Mitglied in ihre kleine Patchworkfamilie aufnehmen. Oberflächlich gesehen bedienen sie zwar die bekannten Klischees, doch auf dem zweiten Blick hat jeder Charakter etwas Eigenes zu bieten, was die Story noch etwas tiefer wirken lässt. Gleichzeitig brilliert der Autor mit einem oft schrägen Humor, der allem noch eine gewisse Leichtigkeit bietet und dem Leser mehr als einmal ein breites Grinsen auf sein Gesicht zaubert. Auf jeder Seite spürt man das Herzblut, das Tommy Krappweis in seinen Roman gesteckt hat, was ebenfalls eine große Faszination ausübt und Lust auf weitere Geschichten aus der Reihe macht.

Es gibt die Redensart, dass ein gutes Jugendbuch dann funktioniert, wenn auch der ältere Leser etwas daran hat. Dem Autor gelingt dieser Spagat meisterhaft. Manchmal mit sarkastischem, oft mit schrägen Humor spricht er alle Altersgruppen an. Hinzu kommt noch eine gewisse Leichtigkeit, die das Buch zu einem richtigen Pageturner werden lassen. Der erste Band der Ghostsitter-Reihe ist ein Roman, der auf ganzer Linie überzeugt und Lust auf mehr macht. Genau das richtige für Leseratten jeden Alters.

Ghostsitter – Band 1: Geister geerbt
von Tommy Krappweis
erschienen bei Schneiderbuch/Egmont im Oktober 2015
ISBN: 978-3-505-13757-0
ISBN (E-Book): 978-3-50513761-7
Umfang: ca. 260 Seiten

1 Comment

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  1. Eine sehr schön geschriebene Rezension, die plastisch vor Augen stellt, was den Leser in diesem Buch erwartet, die Stärken und Eigenheiten benennt und wirklich Interesse an dem Roman weckt. Ich hatte bis eben von dem Werk oder dem Autor noch nichts gehört, doch Deine Besprechung klingt sehr vielversprechend!

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