Elric – Band 2: Sturmbringer

Die Rezension zu ersten Band findet man hier.

Nach dem offenen Ausbruch des Konflikts zwischen dem Herrscher von Melniboné und seinem Cousin Yyrkoon bleibt Elric stark geschwächt zurück. Damit nicht genug, der Verräter hat auch seine Schwester Cymoril mitgenommen, die Elric über alles liebt. Der Albino, der ohne Magie nicht überlebenslebensfähig ist, ruft den Gott des Chaos an, um seine Hilfe zu erbitten. Arioch gewährt Elric diese, allerdings nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Yyrkoon hält sich an einem Ort gefangen an den der Gott den Albino nicht bringen kann. Doch er kann ihm sagen wo sich ein Rivale aufhält. Zudem stattet er den König von Melniboné noch mit magischer Lebensenergie aus, damit er im Kampf bestehen kann. So macht sich Elric mit einer Streitmacht, die Tod und Vernichtung hinter sich lässt, auf, um seine geliebte Cymoril aus den Fängen ihres Bruders zu befreien. Dabei ahnt er nicht, dass er eigentlich nur eine Marionette von Arioch ist, der noch große Pläne mit dem Albino hat…

Es hat eine lange Zeit gedauert bis der zweite Band der französischen Comicadaption von Michael Moorcocks Elric von Melniboné den Weg in die deutschen Bücherregale gefunden hat. Dies lag zum Teil daran, dass sich nach der Fertigstellung von Der Rubinthron für Sturmbringer ein neues Kreativteam zusammenfinden musste. Julien Blondel hat beim Szenario und der Umsetzung des Quellmaterials Verstärkung durch Jean-Luc Cano bekommen, während im zeichnerischen Bereich Julien Telo und Scarlett Smulkowski zu Robin Recht und Didier Poli gestoßen sind. Tatsächlich unterscheidet sich das Resultat sehr von seinem Vorgänger. Die Umsetzung bewegt sich sehr nah an der Vorlage und wird durch sehr kraftvolle Zeichnungen dem Leser näher gebracht. Aber auch wenn man dem Quellmaterial treu bleibt, so das Endprodukt insgesamt etwas atmosphärischer als der erste Band. Alles wirkt weniger theatralischer, aber dennoch wird der Leser gefesselt, wie bei der famosen Darstellung der gnadenlosen melnibonischen Welt, in der das Leben eines Menschen nichts wert ist. Vor allem aber findet man die Essenz der ursprünglichen Romans wieder und erreicht auch dessen Intensität. Elric ist und bleibt der kompromisslose Herrscher, der einen dubiosen Deal mit Arioch eingeht, der ihm zwar Lebenskraft verleiht, aber auch ein großes Opfer abverlangt.

Auch wenn zwischen Sturmbringer und Der Rubinthron einige kreative Unterschiede bestehen, der zweite Band der auf vier Bände konzipierten Adaption des klassischen Fantasy-Romans von Michael Moorcock steht seinem Vorgänger in nichts nach. Er übertrifft ihn teilweise sogar, weil die subtile Erzählweise einen großen Reiz auf den Leser ausübt. Für den, der sich einmal aus der oft starren, klischeehaften Erzählweise amerikanischer Mainstream-Comics lösen möchte ist hier an der richtigen Adresse. Die dort üblichen Versatzstücke werden hier nicht bedient, sondern man spürt deutlich den europäischen Einfluss auf die Umsetzung. Dies wirkt insgesamt sehr wohltuend. Abgerundet wird der sehr positive Eindruck durch ein sehr lesenswertes Vorwort von Alan Moore, das mit einigen interessanten Informationen aufwarten kann.

Einmal mehr beeindruckt der Splitter Verlag durch ein großformatiges Hardcover, dessen Qualität nichts zu wünschen übrig lässt. Zeichnung und Farben kommen sehr gut rüber, während man sich in einem Werkstattteil einen Eindruck über die Entstehung von Sturmbringer machen kann, in dem nicht nur einige interessante Konzepte zu sehen sind, sondern auch die eigentliche Erstellung des Comics dem Leser nähergebracht wird. Alles in allem also ein sehr intensives Leseerlebnis, das große Lust auf den dritten Band der Saga macht.

Elric
Band 2: Sturmbringer
von Julien Blondel & Jean Luc Cano
Zeichnungen: Julien Telo, Robin Recht, Didier Poli
nach einer Idee von Michael Moorcock
mit einem Vorwort von Alan Moore
erschienen im Splitter Verlag im April 2015
ISBN: 978-3-86869-659-2

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