Duell

Wie so oft hat David Mann es eilig. Er muss pünktlich zu einem wichtigen Termin und da passt es nicht, dass er auf dem Highway hinter einem altersschwachen Truck hinterherfahren muss. Als sich eine Möglichkeit ergibt, überholt er ihn ohne sich weitere Gedanken zu machen. Doch kaum hat er sich vor den LKW gesetzt, beginnt dieser ihn nicht nur zu verfolgen, sondern bedrängt ihn auch noch. Der Truck hält dabei mühelos mit dem PKW mit. Was, nach Davids Ansicht, als Lappalie begonnen hat, entwickelt sich zu einem nervenzerreißenden, am Ende vielleicht sogar tödlichen Duell…

Inspiration findet man im richtigen Leben. Als Richard Matheson 1963 am Tag von Kennedys Ermordung mit einem Freund auf dem den Highway unterwegs ist, überholt er ebenso wie David einen Truck, dessen Fahrer diese Sache nicht auf sich beruhen lassen will. Er bedrängt den Wagen des Autors von The Incredible Shrinking Man und I am Legend solange bis er überholen kann. Nur knapp entgehen Matheson und sein Mitfahrer einem Unfall, während der Truck unbeeindruckt weiterfährt. Kurze Zeit später war die Idee zu einer Kurzgeschichte geboren, die die Grundlage für das Drehbuch von Duel werden sollte.

Richard Matheson gehört zu jenen amerikanischen Autoren, die sich nicht nur durch Romane und Kurzgeschichten einen Namen gemacht haben, sondern auch durch das Schreiben von Drehbüchern. So stammt auch das Skript zu Duell aus seiner Feder. Anfang der 70er war man bei Universal Pictures auf der Suche nach neuen Talenten, die man vor allem im Fernsehen antestete. Eines davon war ein junger Regisseur, der mit einigen Episoden der Serien Night Gallery und Columbo beeindruckt hatte. Steven Spielberg ergatterte der Auftrag aus Mathesons Drehbuch ein sogenanntes Movie of the Week zu machen. Man gab ihm drei Wochen Zeit den Stoff entsprechend umzusetzen. In dieser kurzen Zeit zimmerte Spielberg einen beeindruckenden Horrorfilm, der mit einfachen Mitteln eine Spannung erzeugt, die den Zuschauer von Anfang bis Ende in ihren Bann zieht. Er zieht dabei alle Register und steht großen Vorbildern, wie beispielsweise Alfred Hitchcock, in nichts nach. Auch in der Chefetage von Universal Pictures wurde man auf dem Fernsehfilm aufmerksam. Er gefiel dort so gut, dass man sich für einen Kinoeinsatz in Europa entschied. Aber noch war der TV-Film zu kurz dafür. Aus diesem Grund durfte Spielberg rund 14 Minuten nachdrehen, um die erforderliche Länge zu erreichen. Als der Film dann auf den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde, erwies sich der gute Riecher der Universal-Bosse als richtig. Der Erfolg gab ihnen recht und Steven Spielberg konnte 1973 mit The Sugarland Express seinen ersten großen Kinofilm realisieren. Ein Jahr später revolutionierte der junge Regisseur mit Der weiße Hai die amerikanische Kinolandschaft grundlegend. Mit der Verfilmung des Romans von Peter Benchley schuf er nicht nur den bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten. Gleichzeitig begründete er den Mythos des Sommerblockbusters, der bis heute mit gewaltigen Produktionen gepflegt wird. Der Rest ist Kinogeschichte…

Blickt man zurück, erweist sich Duell als überraschend frisch. Er mag zwar Anfang der 70er Jahre spielen, doch das wird relativ schnell nebensächlich. Die rasante Umsetzung des exzellenten Drehbuchs, der Einsatz der technischen Mittel, die Spielberg bei dem knappen Budget zur Verfügung standen und der oft eigenwillige visuelle Stil haben den gut altern lassen. Hinzu kommt das intensive Spiel von Dennis Weaver, der ohne viel Dialoge auskommt, aber dennoch den Terror, dem seine Figur ausgesetzt ist, erstaunlich intensiv an den Zuschauer bringt. Das Duell zwischen Mensch und Maschine von der ersten bis zur letzten Minute packend und bietet mehr Spannung und Action wie der ein oder andere moderner Actionreißer.

Die Grundlage für die Blu-ray bildete die oben erwähnte Kinofassung. Aus diesem Grund liegt der Film nicht in seinem ursprünglichen TV-Format vor, sondern in 1.85:1. Dabei erweist dich die Umsetzung in HD erstaunlich gut. Bei der Restauration hat Universal einmal mehr sehr gute Arbeit abgeliefert. Man sieht dem Material über weite Strecken sein Alter keine Sekunde an. Die Farbgebung wirkt sehr natürlich und auch der Kontrast hat ein sehr hohes Niveau. Das gleiche gilt auch für die Schärfe, die viele Einzelheiten erkennen lässt.

Leider hat die alte deutsche Synchronfassung nicht den Weg auf die BD gefunden. Für die DVD-Auswertung wurde der Film 2004 komplett neu synchronisiert. Eine Unsitte, die man bei dem ein oder anderen Klassiker öfter findet. Da Upmix auf DTS 5.1 basiert auf der neuen Synchronisation, weswegen er dann schon eine gewisse Räumlichkeit besitzt. Wenn auch nur in einem geringen Maße.

Die englische Tonspur in DTS-HD 5.1 Master Audio überrascht zunächst mit einer überraschenden Räumlichkeit. Über den Sinn oder Unsinn des Upmixes einer Mono-Tonspur in ein HD-Stereoformat kann man streiten. Hier hat man allerdings drauf geachtet die ursprüngliche Atmosphäre nicht zu zerstören. Kein Wunder, denn Steven Spielberg hat immer ein waches Auge auf die Heimkinoumsetzung seiner Filme.

Die Extras hat man von der DVD übernommen. Laurent Bouzereau, der bereits schon bei vielen Umsetzungen von Steven Spielberg-Filmen für die Extras verantwortlich ist, hat auch hier wieder ganze Arbeit geleistet. Spielberg ist kein großer Freund von Audiokommentaren, weswegen auch ein Gespräch mit ihm über Duell den Anfang macht. Er geht dabei auf viele Aspekte der Entstehung ein und weiß diese auch interessant zu verpacken. Ebenfalls sehenswert ist die Featurette über das Schaffen des Meisterregisseurs im Fernsehen. Und am Ende kommt auch Autor Richard Matheson zu Wort, der einiges aus seiner Sicht hinzu zu fügen hat. Den Abschluss der Specials bilden Trailer und eine Bildergalerie mit Fotos und Postern zu Duell.

Duell gehört auch heute noch zu jenen Spielberg-Filmen, mit den man viel Spaß hat. Der Streifen ist gut gealtert und stellt so manchen modernen Actionfilm auch heute noch bei weitem in den Schatten. Die Blu-ray bietet nicht nur eine sehr gute Umsetzung, sondern auch viele Informationen über die Entstehung des Films. Auf jeden Fall ein Juwel für jede Filmsammlung.

Duell
Originaltitel: Duel
USA 1971
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Dennis Weaver, Jacqueline Scott, Eddie Firestone, Lou Frizzel, Gene Dynarski, Lucille Benson, u. a.
Region: A, B, C
Bildformat: 1.85:1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Englisch (DTS-HD MA 5.1),
Deutsch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Spanisch (DTS 5.1)
Länge: 89 Minuten

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