Casino Royale

Der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt: Die westlichen Geheimdienste kämpfen in einem vermeintlichen Frieden mit härtesten Bandagen gegen ihren kommunistischen Gegenpart. Einer der Stars unter den feindlichen Agenten ist LeChiffre, der es nach seiner Arbeit bei der Resistance vorgezogen hat für die Sowjets zu arbeiten. Aber er fühlt diesen gegenüber nicht verpflichtet. Doch als sich herausstellt, dass er in seine eigene Tasche gearbeitet hat, muss er etwas unternehmen, damit wieder Geld in seine leeren Kassen fließen kann. Eine Leidenschaft des Agenten ist das Baccarat-Spiel, mit der er sich erhofft seine roten Zahlen wieder ausgleichen zu können.

Eine interessante Ausgangssituation für den englischen Geheimdienst. Dieser schickt einen seiner Doppel-Null-Agenten in das Städtchen Royale-les-Eaux, in dessen Casino LeChiffres Spiel stattfinden soll. Genau der richtige Job für James Bond, der Baccarat wie kein zweiter beherrscht. Ausgestattet mit einer falschen Identität und mit entsprechendem Kapital nimmt er an dem Spiel teil. Doch er ist nicht allein. Ihm zur Seite stehen die aparte Vesper Lynd sowie der Agent Mathis, der Bond mit Informationen über seinen Gegner informiert. Außerdem hat die CIA ebenfalls einen Beobachter nach Royale geschickt, um eventuell unterstützend einzugreifen. Zusammen sollen sie dem Gegner die finanzielle Grundlage entziehen, damit dieser gezwungen ist überzulaufen.

Aber auch die Gegenseite ist sich über den Auftrag Bonds im Klaren. Sein Zimmer wird überwacht und nur knapp entkommt am einem Bombenanschlag, der am helllichten Tag mitten in Royale stattfindet. Die letztendliche Konfrontation zwischen James Bond und LeChiffre verläuft dann doch nicht so wie geplant, denn das Glück steht nicht auf der Seite des britischen Agenten. Er verliert sein komplettes Budget, findet aber in Felix Leiter jemanden, der ihm aushelfen kann. Nun setzt Bond alles sprichwörtlich alles auf eine Karte, um seinen gewitzten Gegner in die richtige Ecke zu drängen.

Mehr als fünfzig Jahre lang begeistert James Bond Generationen von Kinobesuchern und hat in rund 25 Filmen einen Standard gesetzt, an dem sich viele andere Genrefilme messen lassen müssen. Doch wer die Romane von Ian Fleming kennt weiß, wie sehr ich Vorlage und Adaption unterscheiden. Kaum einer der Bond-Filme hat etwas mit seinem literarischen Vorbild gemein, was sich vor allem in der Hauptfigur selbst widerspiegelt. Der literarische Bond und der filmische sind total unterschiedliche Charaktere. Nach der ersten Umsetzung von Casino Royale im Jahr 1954 fühlte sich Fleming sogar in seiner Befürchtung der Unverfilmbarkeit seiner Romane soweit bestätigt, dass er die Filmrechte nicht mehr vergeben wollte. Zu sehr hatten sich die Macher des Live-Theaterstücks für die US-Serie Climax von seinem Werk entfernt.

Im ersten Roman um James Bond legt Ian Fleming das Grundgerüst fest, mit dem der Autor in Zukunft arbeiten und ausbauen wird. Dabei fällt dem Leser die Kompetenz Flemings in Bezug auf die Geheimdienstarbeit auf. Kein Wunder, denn im Zweiten Weltkrieg arbeitete er selbst für den Geheimdienst. Obwohl Fleming mit seinen knappen Schreibstil schnell auf den Punkt kommt, lässt er die Welt um Bond sehr plastisch vor dem Auge des Lesers entstehen. Ohne große Ausschmückungen widmet er sich dem stetigen Vorantreiben der Handlung, sowie seinen Charakteren, die sehr gut herausgearbeitet werden. Keiner von ihnen wirkt eindimensional oder oberflächlich, wobei der Fokus natürlich ganz eindeutig auf der Hauptfigur liegt.

In der Vergangenheit haben die James Bond-Romane oft eine Veröffentlichung in Deutschland erlebt, doch meistens nicht komplett und vor allem nicht ungekürzter Form. Selbst die letzte Ausgabe von Casino Royale im Jahr 2006 basierte auf einer Übersetzung aus den sechziger Jahren, die nur schwer die wahre Qualität von Fleming wiedergibt. In der ungekürzten Version, die von Stephanie Pannen und Anika Klüver bearbeitet wurde, bemerkt man erst, wie gut Fleming eigentlich gewesen ist, was das Flair seiner Romane eigentlich ausmacht. So wird der Roman sogar noch lesenswerter.

Casino Royale ist eindeutig ein Kind seiner Zeit. Zwar ist die Zeit des Kalten Krieges und der rivalisierenden Großmachte in Ost und West vorbei, aber dennoch weiß der Roman immer noch zu fesseln. Dies liegt vor alle auch daran, weil Ian Fleming den Konflikt in den Hintergrund treten lässt. Er widmet sich einem eigenen Mikrokosmos, der aus James Bond sowie dem großen Baccarat-Duell mit LeChiffre besteht. Das Spiel selbst inszeniert der Autor mit großer Sachkenntnis und Spannung, was den Leser noch mehr an den Roman fesselt. Die Spannung gipfelt im letzten Drittel in einer sehr intensiven Folterszene, die später sogar ohne große Änderungen Eingang in die Filmversion von 2006 bekommen hat. Gleichzeitig beginnt hier die Auseinandersetzung mit der Organisation SMERSH, in der Kinoserie SPECTRE, mit der es Bond in den nächsten Romanen noch öfter zu tun bekommen wird. Als mehr als ein Grund sich auch die weiteren Romane rund um den Superagenten zu gönnen.

Die James Bond-Reihe bei Cross Cult bietet diese zum ersten Mal in einer ungekürzten Neuübersetzung, einer Erscheinungsweise in der originalen Reihenfolge sowie sehr ansprechenden Covern von Martin Gillette. Die Serie ist sowohl in Printform als auch als E-Book erhältlich. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

 
James Bond – Casino Royale
von Ian Fleming
erschienen bei Cross Cult im September 2012
Übersetzung Stephanie Pannen und Anika Klüver
Umfang: 240 Seiten
ISBN: 978-3-86425-070-5
eISBN: 978-3-86425-071-2

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