Batman: The Complete Animated Series

Anfang der 90er Jahre erspürte man bei Warner Brothers das Potential von Comicverfilmungen. Vor allem auch deswegen, weil man schon lange eines der erfolgreichsten Labels im eigenen Hause hatte: DC Comics. Natürlich hatte es schon früher Versuche gegeben die Helden auf die Leinwand oder ins Fernsehen zu bringen. Meist war der Erfolg etwas bescheiden, wenn man von einigen Ausnahmen wie die Max Fleischer Superman-Cartoons aus den 40er Jahren, die Superman-Serie aus den 50er Jahren oder der Batman-TV-Serie 1966 absah. Als Star Wars 1977 die Filmlandschaft für immer revolutionieren sollte, wollte jedes Studio seinen SciFi-Blockbuster haben. Witzigerweise hatte Warner bereits ihren größten Superhelden in den Startlöchern: Superman: The Movie zeigte eindrucksvoll wie man ein Comic ernsthaft auf der Leinwand umsetzen konnte.

Aber der erste Superman-Film blieb ein Einzelfall, denn die darauffolgenden Sequels konnten den Erfolg des ersten Teils nicht mehr reproduzieren. Das lag vor allem daran, dass sich Regisseur Richard Donner und die Produzenten sich während der Produktion von Superman: Der Film überwarfen und aus den geplanten zwei Teilen ein stark geraffter Einteiler wurde. Donner verließ das Projekt und Superman II wurde nicht mehr zu dem Projekt, das es ursprünglich war. Ein neuer Regisseur wurde mit Richard Lester gefunden, der den Film fast komplett neu drehte. Leider verlor die Fortsetzung dadurch den Bezug zum seinem Vorgänger. Wie Superman II hätte aussehen können, sieht man in dem dem sogenannten Donner Cut, der 2006 als rekonstruierte Version veröffentlicht wurde. Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

Die filmischen Umsetzungen der DC Comics dümpelten meist als Zeichentrickserien in den Kinderprogrammen herum. Dort besaßen die Helden nicht die Tiefe, die für einen weiteren Kinofilm gereicht hätte. Das schlug sich auch auf die Comics selbst nieder. Zu einem Wendepunkt wurde die Veröffentlichung von Frank Millers The Dark Knight Returns, der nicht nur Batman ein neues Image verpasste, sondern auch die Comicwelt umkrempelte. Bereits bei Marvel hatte Miller mit seinem Team dafür gesorgt, dass Daredevil wieder in die Puschen kam. Aber mit The Dark Knight Returns nahm er sich die Freiheit den Dunklen Ritter tiefgreifend zu reformieren und schuf das Bild, das man heute von Batman hat. Alle nachkommenden Inkarnationen schöpften aus Millers Fundus. Sei es nun die Verfilmung von Tim Burton, die Nolan-Trilogie oder Zack Snyders Batman v. Superman: Dawn of Justice, wo man sogar ein Segment aus der Graphic Novel fast komplett auf die Leinwand brachte. Wenn auch in einem anderen Zusammenhang.

Neben einer DVD-Box der Serie sind vereinzelte Folgen von Batman Animated sind im Laufe der Jahre auf den DVDs bzw. Blu-rays der DC Universe Animated Original Movie-Reihe immer wieder als Extras aufgetaucht. Diese waren allerdings nicht neu gemastert und lagen zudem in SD vor. Gerade hier merkte man den Zahn der Zeit, der an ihnen genagt hat. Aber mit dieser Box wird alles anders. Man hat die Serie aufwendig restauriert und auch neu gemastert. Bei einigen Szenen hat man allerdings scheinbar keinen Zugriff auf das Originalmaterial gehabt und versucht das Beste aus dem Vorhandenen herauszuholen. Hier sieht man deutlich das Upscaling, das vorgenommen wurde. Dies ist allerdings die Ausnahme. Insgesamt macht Batman Animated auf Blu-ray eine verdammt gute Figur. Das Bild ist richtig knackig. Die Farben überzeugen genauso wie der Schwarzwert und die Schärfe. Erkennbar sind aber auch leichte Artefakte und Verunreinigungen der Animation, was man aber durchaus verschmerzen kann. Auch wenn es leichte Schwächen gibt, so gut hat die Serie aus den frühen 90ern noch nie ausgesehen. Erfreulich ist auch, dass man originale 4:3-Format beibehalten hat.

Der Ton liegt in der englischen Version in DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Man muss sich immer vor Augen halten, dass es sich hier um eine TV-Produktion aus den frühen 90ern handelt. Dennoch insgesamt kann der Sound überzeugen, auch wenn er nicht so wuchtig daher kommt wie aktuelle Produktionen. Die Musik verleiht allem ein wenig Räumlichkeit und auch die Dialoge sind klar zu verstehen. Die französische und die spanische Tonspur liegen in Dolby Digital 2.0 vor und besitzen formatbedingt natürlich nicht ganz die Breite der Originalversion. Eine deutsche Tonspur ist nicht vorhanden, obwohl diese auf dem Backcover der Box angegeben ist.

Das macht dem Gesamtpaket keinen Abbruch, denn die englische Version ist auf jeden Fall vorzuziehen. Zwar macht die deutsche Synchronisation schon eine gute Figur, aber man kann nicht mit einer Besetzung wie in der Originalfassung aufwarten. Für viele ist Kevin Conroy unbestritten einer der besten Batman-Darsteller, den er verleiht der Figur in der Animated Series Tiefe. Er schafft es perfekt Bruce Wayne und Batman voneinander zu trennen. Conroy hat auch in einigen späteren Serien und Filmen dem Dunklen Ritter seine Stimme geliehen, beispielsweise in Batman: Beyond, Justice League, Justice League Unlimited oder in dem Film Batman: The Killing Joke. Er hat auch eine sehr desillusionierte Version des Charakters in dem Event Crisis on Infinite Earths aus dem Jahr 2020 gespielt, einem Mehrteiler im Rahmen der DC-TV-Serien, dem sogenannten Arrowverse.

Es ist interessant zu sehen, wen man seinerzeit auch für die weiteren Rollen bekommen hat: Arleen Sorkin als Harley Quinn, Adrienne Barbeau als Catwoman, Ron Perlman als Clayface, Kate Mulgrew als Red Claw, Helen Slater als Talia al Ghul, David Warner als Ra’s al Ghul, um nur einige zu nennen. Aber der heimliche Star der Serie ist der Joker. Ihm hat Mark Hamill seine Stimme geliehen und keiner hat den Wahnsinn des Clowns so auf den Punkt gebracht wie er. Deswegen gilt er auch als einer der besten Darsteller des Erzfeindes von Batman. Eine Rolle, die Hamill später in nachfolgenden Projekten wieder aufgenommen hat.

Alle Extras der alten DVD-Editionen haben es auch auf dieses Set geschafft. Auf jeder BD findet man neben Audiokommentaren zu einzelnen Folgen auch einige interessante Featurettes. Das Herzstück der Specials ist allerdings eine Bonusdisc mit einer neuen produzierten Dokumentation mit einer Laufzeit von über 60 Minuten. Hinzu kommt auch noch eine kurze Dokumentation über die Entstehung von Harley Quinn.

Neben den zehn Blu-rays zu der Batman Animated-Serie befinden sich in der Box noch zwei weitere Scheiben, auf denen die ersten Filme sind, die man heute zu den DC Universe Animated Original Movie zählen würde. Ursprünglich sollte Batman: Mask of the Phantasm (hierzulande: Batman und das Phantom) aus Serienspecial für das Fernsehen gemacht werden, doch der Erfolg der Serie bewegte Warner Brothers dann doch zu einem Kinoeinsatz; zumindest in den USA. Tatsächlich gilt der Film heute immer noch als einer besten Beiträge zu Batman, trotz Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie oder Matt Reeves The Batman

Auf der nächsten BD findet man den fünf Jahre später produzierten Batman & Mr. Freeze: SubZero, in dem sich der Dunkle Ritter mit einem seiner coolsten Gegner auseinandersetzen muss. Dieser wurde seinerzeit für einen Einsatz direkt auf Video produziert, hat aber auch starke Kinoqualitäten und ist ebenfalls sehr sehenswert. Die Handlung dieses Films wird in nachfolgenden Filmen wie Justice League Unlimited oder Batman Beyond fortgesetzt.

Es gibt nur wenige Umsetzungen von Batman, die das Erscheinungsbild des Helden so intensiv geprägt haben wie die Batman Animated-Serie. Nicht nur, dass man viele originale Geschichten dem Zuschauer nähergebracht hat, man verfilmte auch einige der klassischen Stories in knapper, aber sehr guter Form. Dabei packte man in die rund fünfundzwanzigminütigen Filme mehr als in manchen Kinofilm. Man ritt dabei nicht nur auf den bekannten Gegnern des Dunklen Ritters herum, sondern schuf beispielsweise mit Harley Quinn einen der schillerndsten Charaktere des DC Universums. Auch über die technische Umsetzung kann man nicht meckern. Die Serie sieht in HD beeindruckend und sehr frisch aus. Ein wahres Fest, nicht nur für eingefleischte Fans.