Avatar – Aufbruch nach Pandora (Extended Collector’s Edition)

Nachdem sein Zwillingsbruder bei einem Raubüberfall ermordet wird, bekommt der querschnittsgelähmte Ex-Marine Jake Sully eine neue Chance. Er soll in die Fußstapfen seines Bruders bei einem faszinierenden Projekt werden. Hierbei soll er sein Bewusstsein zeitweise in einen speziellen Körper, einem Avatar, transferieren, um den Kontakt zu den Ureinwohnern auf Pandora, dem Mond des Gasriesen Polyphem im Sonnensystem Alpha Centauri, zu erleichtern. Dort wird das seltene Mineral Unobtanium im Tagebau abgebaut, was zu erheblichen Umweltschäden führt. Das von dem Konzern RDA ins Leben gerufene Avatar-Programm dient aber nicht nur der Kontaktaufnahme. Man will so auch mehr über die Schwachstellen der Na’vi erfahren. Unter einem Dorf der Ureinwohner befindet sich eines der größten Unobtanium-Vorkommen auf Pandora und man will diese zur Umsiedlung bewegen; notfalls auch mit Gewalt.

Von dem Sicherheitschef der irdischen Station bekommt Jake den Auftrag mehr über die Na’vi herauszufinden. Er willigt ein, stellt aber bald fest, wie verkehrt diese Aufgabe ist. Jake lernt die Kultur und Gebräuche der Na’vi näher kennen. Dabei verliebt er sich nicht nur in Pandora, sondern auch in Neytiri, die ihm alles Wissenswerte beibringen soll. Doch die Zeit wird knapp und Sully wird vor eine schwere Entscheidung gestellt…

Bereits in der Besprechung zur normalen Kinoversion wurde auf den Verlauf der Entwicklung von AVATAR eingegangen. Schon bereits kurz vor dem Ende der Dreharbeiten von TITANIC präsentierte Cameron seinem Produktionsleiter Jon Landau die ersten Konzepte zu AVATAR. Es wurde jedoch schnell klar, dass eine Realisierung nach Camerons Vorstellungen zu diesem Zeitpunkt schwer möglich bzw. sogar unmöglich war. Zum einen weil die Computertechnik in diesem Bereich noch nicht so weit war, zum anderen, weil die Produktionskosten ein Vielfaches von dem verschlingen würden, was AVATAR später gekostet hat. Auf der anderen Seite blieb Zeit das Konzept des Films detailreich zu entwickeln, was dem späteren Endprodukt nur gut getan hat.

Sicherlich erscheint die Story von AVATAR auf den ersten Blick nicht sehr originell. Die Geschichte des Fremden im fremden Land wurde schon oft erzählt, wie man meisterhaft beispielsweise in LAWRENCE OF ARABIA, DER MIT DEM WOLF TANZT oder THE LAST SAMURAI sehen kann. Nichtsdestotrotz handelt sich dabei um eine Geschichte, die universell in jedem Kulturkreis funktioniert; ähnlich wie HERR DER RINGE oder TITANIC. Was allerdings an AVATAR fesselt sind die kleinen Details des Planeten Pandora. Vor allem seine Flora und Fauna wirken zuerst fremdartig, später dann aber auch vertraut. Kein Wunder, denn die Künstler, die mit James Cameron zusammenarbeiteten, ließen sich von der Natur inspirieren, auch wenn sie einige sehr fremdartige Dinge aufgegabelt haben.

Ein weiterer Faktor des maßlosen Erfolgs von James Camerons erstem Spielfilm nach TITANIC ist natürlich auch die neuartige 3D-Technik. Nachdem fast jedes Studio versucht hatte seit 2008 die Attraktion publikumswirksamer zu gestalten, zeigte Cameron mit dem von ihm mitentwickelten Fusion-Kamerasystem, wie es funktioniert. Mit dem Fusion-System ist man in der Lage zwei Bilder gleichzeitig aufzunehmen und diese zu einem stereoskopischen Komposit zusammen zu setzen. Das Resultat ist ein echtes 3D-Bild, das in seiner Qualität jeden hochkonvertierten Film in den Schatten stellt.

Schon im Vorfeld zu AVATAR begannen die großen Filmgesellschaften damit die 3D-Technik ins Kino zu bringen, wenn auch mit eher mäßigen Erfolg. So nahmen viele Filmschaffende Abstand von der neuen Methode Filme zu machen, aber auch Projekte, die in 3D kommen sollten, wurden abgesagt. Doch das änderte sich nach dem 17. Dezember 2009 schlagartig.

Nachdem schon relativ früh ein Teasertrailer erschienen war, erregten sich diverse Fans über die Story des Films oder über seine Machart. Viele rechneten damit, dass Cameron nun sein WATERWORLD erleben würde, wie 1995 Kevin Costner. Dabei ähnelten alle Phrasen sehr stark den Kommentaren, die auch über TITANIC geschrieben wurden. Doch letztendlich entscheiden nicht die Schreiberlinge in Internetforen über den Erfolg am Boxoffice, sondern der Zuschauer. Wie sich zeigte hat James Cameron auch diesmal wieder auf das richtige Pferd gesetzt, denn AVATAR wird mittlerweile auch oft als STAR WARS des 21. Jahrhunderts gesehen. Natürlich ist der Erfolg des Films zum größten Teil auf seine visuelle Stärke zurückzuführen, aber in der heutigen Zeit kommt es sehr selten vor, dass ein Streifen fast ein halbes Jahr in diversen Kinos läuft, um dann auch noch in einem Rerelease zu trumpfen.

Bereits im April 2010 wurde AVATAR auch für den Home Entertainment-Markt erschlossen. Dabei handelte es sich, sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD um die reine Kinoversion. Keinerlei Extras waren enthalten, weil man die volle Kapazität der beiden Medien ausnutzen wollte. Das Ergebnis war mehr als beeindruckend, vor allem auf BD.

Die Extended Collector’s Edition besteht auf drei Blu-rays. Die erste enthält drei verschiedene Versionen des eigentlichen Films, während sich auf den anderen beiden die zahlreichen Extras verteilen.

Auf der ersten Disc befinden sich sowohl die Kinofassung als auch die im August 2010 in die Kinos gebrachte Special Edition, die acht Minuten länger geht. Die auf der BD enthaltene Extended Collector’s Edition mit einer Gesamtlänge von rund drei Stunden. Dank Seamless Branching ist es möglich alle drei Versionen auf eine Scheibe zu bannen. Wie schon bei der vorangegangenen Edition hat man auch hier weitgehendst auf technische Spielereien verzichtet. Einzig ein direkter Zugriff auf die jeweiligen neuen Szenen ist enthalten.

Die Bildqualität steht der alten Stand Alone-Version in keiner Weise nach. Das Bild überzeugt mit einer großartigen Tiefenschärfe, die die Einzelheiten sehr plastisch erscheinen lässt. Die kräftige Farbgebung zeigt eindrucksvoll zu was die BD eigentlich fähig ist. Da AVATAR direkt vom digitalen Master aufbereitet wurde, sind weder ein Bildrauschen noch andere digitale Störungen zu erkennen. Man kann mit Fug und Recht behaupten hier eine perfekte Blu-ray vor sich zu haben.

Dies trifft auch auf den Ton zu. Der englische Originalton liegt sowohl DTS-HD als auch in einem „familienfreundlichen“ Dolby Digital 2.0-Format vor. Die Abmischung bietet einen sehr gut abgemischten Klangteppich, der dem entsprechenden Verstärker einiges abverlangt. Der deutsche Ton liegt, wie so oft bei Fox-Blu-rays, „nur“ in DTS vor. Systembedingt klingt er nicht ganz so dynamisch wie sein großer englischer Bruder, weiß aber dennoch zu beeindrucken, da er nicht wesentlich von ihm abfällt. Auch hier versteht man die Dialoge einwandfrei und die Abmischung macht ebenfalls großen Spaß.

Im Gegensatz zur Stand-Alone-Version vom April 2010 bekommt man nun auch endlich Extras geboten, die einen Einblick in die Entstehung geben. Diese wurden auf die restlichen beiden Discs verteilt.

Der Bonusreigen wird mit rund 45 Minuten Deleted Scenes eingeleitet, die in keiner der vorhandenen Versionen enthalten waren. Hierbei handelt es sich auch um einige erweiterte Szenen. Sie werden jeweils von einem Einbettungssegment begleitet, um zu zeigen, wo sie hätten platziert werden sollen. Alle Deleted Scenes befinden sich noch in einem frühen Stadium der Produktion, was ebenfalls einen Eindruck über die Entstehung von AVATAR gibt.

Dieser wird noch abgerundet mit einem über eineinhalb Stunden langen Making of, das auch in verschiedenen Segmenten vorliegt. Produziert wurde es von Laurent Bouzereau, schon in der Vergangenheit mit sehr guten Dokumentationen aufwartete, zuletzt auch auf der Zurück in der Zukunft-Blu-ray-Edition. Von der Entwicklung bis hin zum fertigen Produkt erfährt man sehr viel über die Entstehung des Films, wobei man zahlreiche Aufnahmen der Dreharbeit zu sehen bekommt. Auch auf die technischen Schwierigkeiten beim Dreh und die Entwicklung der speziellen Technik wird sehr gut eingegangen.

Weiter geht es mit einer kurzen Dokumentation, die sich mit James Camerons Umweltaktivismus beschäftigt sowie einer Sektion mit Produktionsmaterial. Hier hat man die Casting Videos von Sam Worthington und Zoe Zaldana zusammengetragen, aber auch technische Tests, die den Fortschritt des Projekts noch weiter beleuchten.

Die dritte Scheibe bietet ein Segment, in denen man 17 Szenen in diversen Produktionsstadien sehen kann. Hinzu kommen noch mehrere Featurettes, von denen Teile auch schon im Making of auf Disc 2 zu sehen waren. Allerdings sind diese nun nach den verschiedenen Produktionsabteilungen aufgeteilt und teilweise etwas extensiver als in der Hauptdokumentation. Im Archivbereich der Scheibe findet man neben den diversen Trailern zum Film auch die Drehbuchentwürfe von James Cameron, eine Pandorapedia sowie die Texte zu den Liedern, die in AVATAR verwendet wurden. Abgerundet werden die Extras auf der dritten Scheibe mit mehreren Bildergalerien in HD sowie den Screentests der Hauptdarsteller.

Lohnt sich der Kauf der Extended Collector’s Edition von AVATAR? Für den Fan und Sammler auf jeden Fall, bekommt man doch hier, neben den verschiedenen Versionen, einen intensiven Einblick in die Entstehung des finanziell erfolgreichsten Films der letzten Jahre. Auch für diejenigen, die die vorige Edition besitzen ist AVATAR in dieser Version ebenfalls interessant. Doch letztendlich muss sich jeder selbst entscheiden, was er für sich persönlich vorzieht.

AVATAR lässt in jeder Version nicht viel zu wünschen übrig. Allerdings ist das hier besprochene Blu-ray-Set gegenüber der DVD-Version allein schon von der technischen Ausführung her unbedingt vorzuziehen; zumindest bis die 3D-Blu-ray im Herbst 2012 erscheint.

Avatar – Aufbruch nach Pandora
USA 2009
Extended Collector’s Edition

3-Blu-ray-Disc-Set
erschienen bei 20th Century Fox Home Entertainment im November 2010
EAN:
4010232050960

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