Alien Anthology: Alien – Die Wiedergeburt

Unbestimmte Zeit nach den Ereignissen auf Fiorina 161 gelingt militärischen Wissenschaftlern an Bord eines Raumschiffs das Klonen von Ellen Ripley. Die Grundlage dafür bildete eine Blutprobe, die auf dem Gefängnisplaneten von ihr genommen wurde. Allerdings ist die Wiederbelebung des ehemaligen Ersten Offiziers der Nostromo kein Akt reiner Menschenliebe, viel mehr ist man hinter dem her, was sich in ihr versteckt: das Embryo einer Alien-Queen. Wider Erwarten überlebt Ripley die Entnahme, aber niemand ahnt, dass sie es durch den Klonprozess zu einer Vermischung der verschiedenen DNA gekommen ist. Dadurch haben die Wissenschaftler eine neue Art von Aliens, deren Intellekt denen ihrer Schöpfer in nichts nachsteht. Als den Versuchsobjekten der Ausbruch aus ihren Laboren gelingt, steuert das Notprogramm des Raumschiffs dieses automatisch zur Erde. Ripley wird klar, dass jemand die Aliens aufhalten muss, sonst sind die Tage der Menschheit gezählt…

Auch bei der vierten Runde mit dem beliebten Xenomorphen setzten das Studio und die Produzenten auf einen Regisseur, der durch sehr ungewöhnliche Werke aufgefallen war. Auf den französischen Regisseur Jean-Pierre Jeunet wurden sie durch Delicatessen und City Of The Lost Children aufmerksam, die beide bei Kritikern und Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatten. Mit seinem ungewöhnlichen Inszenierungsstil sollte Jeunet dem totgelaufenen Franchise wieder Leben einhauchen. Darum setzte man auch beim Drehbuch auf einen routinierten Schreiber, der sich bereits in bei diversen Fernsehserien als zuverlässig erwiesen und unter anderem mit Toy Story auch das Drehbuch zu einem Blockbuster abgeliefert hatte: Joss Whedon. In seinem Entwurf hatte man auf die Rolle von Ellen Ripley verzichtet, weil Sigourney Weaver nach Alien³ deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie nicht für weitere Filme zur Verfügung stehen würde. Deswegen wurde sie auch am Ende des Films getötet. Aber sowohl 20th Century Fox als auch die Produzenten des Franchises hatten erneut wenig Vertrauen in Regisseur und Story. So hofierte man die Schauspielerin lange, bis sie sich nicht mehr verweigern konnte. Für 11 Millionen Dollar schlüpfte Weaver erneut in die Rolle Ripleys, auch wenn es sich um die originale Figur handelte, mit der sie ihre Karriere begonnen hatte.

Alien: Resurrection ist von den bisherigen Filmen der Reihe derjenige, der am meisten unterschätzt wird. Jeunet setzte Whedons Drehbuch sehr eigenwillig um, was auf der anderen Seite auch einen großen Reiz besitzt. Er wartet mit einem sehr düsteren Look auf, der nicht auf vordergründigen Horror setzt, sondern eher subtil arbeitet. Dabei verleiht der Regisseur dem Film einen interessanten Stil, der an die klassischen SF-Comics von Moebius erinnert, der bereits für Alien ebenfalls einige Designs entwickelt hat.

Jeunet wäre auch gerne noch weiter gegangen, aber, wie schon bei den Vorgängern, mischte sich das Studio massiv in den Produktionsprozess ein. Doch auch Sigourney Weaver, die auch als Co-Produzentin fungierte, warf ihre Vorstellungen in die Waagschale, was die Gesamtsituation ebenfalls nicht erleichterte. Tatsächlich schlug sich die negative Ausgangssituation auf die Dreharbeiten nieder, die sich als sehr schwierig erwiesen.

Für die DVD bzw. Blu-ray wurde, ähnlich wie bei den anderen Alien-Filmen, ebenfalls eine längere Fassung erstellt, die sich hauptsächlich durch einen neuen Anfang und einem alternativen Ende unterscheidet. Obwohl Jeunet in der Einführung zu seinem Film deutlich macht, dass die Kinoversion sein Director’s Cut ist, bekommt man mit der erweiterten Version einen kleinen Eindruck wie Alien: Die Wiedergeburt hätte aussehen können.

Jean-Pierre Jeunets Beitrag zur Alien-Saga beeindruckt auf Blu-ray mit einem sehr enttäuschenden Bild, was zum Teil auch an den benutzten Verfremdungseffekten liegt. Eine richtige Tiefenwirkung kommt nicht zustande und das Bild wirkt oft sehr grobkörnig. Hinzu kommt noch ein steiler Kontrast, der zusammen mit einem katastrophalen Schwarzwert Details einfach verschwinden lässt. Ein sehr gutes Beispiel wie eine Restauration schief gehen kann.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Tonspuren, die sehr kraftvoll und weitläufig abgemischt sind. Man bekommt einen sehr gut ausgewogenen Klangteppich geboten, der Spaß macht und mit vielen bidirektionalen Effekten aufwarten kann. Die Dialoge sind in allen Versionen klar verständlich. Formatgemäß klingt die englische DTS-HD MA 5.1-Version deutlich kräftiger als die deutsche DTS 5.1-Fassung. Dennoch kann man sich nicht beklagen, da man auf höchstem technischem Niveau gearbeitet hat.

Wie schon bei Alien, Aliens und Alien³ findet man den Großteil der Sonderausstattung zu Alien: Die Wiedergeburt auf der eigentlichen Filmscheibe. Dazu gehörten, neben der Kinofassung und der Special Edition, 11 entfallene Szenen, ein Audiokommentar von Cast & Crew aus dem Jahr 2003 und eine isolierte Filmmusikspur, die allerdings nur bei der Kinofassung anwählbar ist. Alle anderen Extras wurden auf der fünften und sechsten Disc der Anthology-Box untergebracht. Auf Disc 5 findet man neu produzierte Dokumentationen zu den Filmen, wobei jeder Aspekt der Produktion abgedeckt wird und sehr viele der Beteiligten zu Wort kommen. Auf der sechsten Disc wurde das komplette Bonusmaterial der vorausgegangenen Editionen der Alien-Reihe gesammelt, darunter auch Material aus VHS und Laserdisc-Zeiten, die trotz ihres Alters immer noch von Interesse sind.

Man merkt deutlich, dass Jean-Pierre Jeunet viele seiner Vorstellungen künstlerisch nicht durchsetzen konnte, weil er sich dem Studiosystem unterordnen musste. Dennoch bekommt man über weite Strecken atemloses Actionkino geboten, mit dem man sich schon anfreunden kann. Aber so richtig will sich das Alien-Feeling aus den ersten beiden Teilen hier nicht einstellen. So wird Alien: Die Wiedergeburt zu einem Beitrag des Franchises, zu dem viele Fans ein sehr ambivalentes Verhältnis haben und der polarisiert.

Alien Anthology:
Alien – Die Wiedergeburt
Originaltitel: Alien: Resurrection
USA 1997/2003
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Sigourney Weaver, Winona Ryder, Ron Perlman, Dan Hedaya, J. E. Freeman, Brad Dourif, Michael Wincott, Dominique Pinon, Gary Dourdan, Tom Woodruff, jr., u. a.
Region: A, B, C
Bildformat: 2.35 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Deutsch, Französisch (DTS 5.1), Englisch (DTS-HD MA 5.1), Portugiesisch, Spanisch (DD 5.1)
Special Features: Einführung von Jean-Pierre Jeunet, Audiokommentar Crew und Darstellern, isolierte Filmmusikspur, u.v.m.
Filmlänge: 106 Minuten/116 Minuten

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