Alarm im Weltall

Seit 20 Jahren hat sich die Mannschaft der BELLEROPHON nicht mehr von ihrer Mission zu dem Planeten Altair 4 gemeldet. Also begibt sich der Raumkreuzer C57D in das Sonnensystem, um nach dem Verbleib des Schiffes zu forschen. Anders als erwartet trifft Adams auf der kargen Welt nur den etwas sinisteren Wissenschaftler Dr. Morbius und seine Tochter Altaira. Der Rest der Besatzung der BELLEROPHON wurde von geheimnisvollen Kräften vernichtet. Morbius bedrängt Adams den Planeten wieder zu verlassen, bevor sich das gleiche Spiel nochmal wiederholt, doch der misstrauische Kommandant muss erst eine Meldung zur Erde absetzen. Die Entfernung zum Heimatplaneten macht es nötig, dass ein Teil des Raumkreuzers auseinander genommen werden muss, damit man den benötigten Sender bauen kann. Die Warnungen des Wissenschaftlers schlägt er in den Wind. Doch dann beginnen die ersten rätselhaften Todesfälle…

Wenn man sich die Science Fiction-Filme der 50er Jahre anschaut, dann hat man es oft mit billigen Produktionen, die sich durch krude oder naive Stories auszeichnen zu tun. Aber wie bei allen Genres gibt es auch aus dieser Zeit interessante Ausnahmen wie die Filme von Jack Arnold, Robert Wises Der Tag, an dem die Erde stillstand (The Day the Earth stood still, USA 1951) oder George Pals Endstation Mond (Destination Moon, USA 1950) und Kampf der Welten (War of the Worlds, USA 1953). Alle hatten sich als sehr erfolgreich an den Kinokassen erwiesen, was vor allem für die Beiträge von George Pal galt, da sie zeigten, dass Science Fiction-Filme nicht immer nur recht billig produziert werden mussten.

Auch wenn MGM zu jener Zeit als das größte und erfolgreichste der fünf großen Majorstudios war, bis 1956 hatte man auf einen Ausflug in die Science Fiction verzichtet. Es wurden zwar oft phantastische Stoffe auf die Leinwand gebracht, aber ein ausgesprochener SF-Film war nicht dabei. Was bei Alarm im Weltall (Forbidden Planet) sofort ins Auge fällt, ist der hohe Produktionsstandard. MGM setzte absolute Topleute auf das Projekt an, denn immerhin wollte man seinem Ruf gerecht werden. So arbeitete unter anderem der elffache Oscarpreisträger Cedric Gibbons am Produktionsdesign mit. Für die Trickaufnahmen arbeitete das Modelldepartment rund um die Uhr und bei der gesamten Produktion wurde nicht gespart. Obwohl MGM zu jener Zeit über ein ausgezeichnetes Animationsdepartment verfügte, lieh man sich für viele Effektaufnahmen Animatoren aus dem Disney Studio aus, um ihnen des letzten Schliff zu verleihen.

Das Endergebnis kann sich auch heute noch sehen lassen. Vor allem die Führung durch die subplanetaren Anlagen der Krell besitzt eine Qualität, die nichts von ihrem Reiz verloren hat. Die ganzen Modellaufnahmen bestehen auch Vergleiche mit heutigen Computeranimationen immer noch ohne Probleme und übertreffen sie heute oft noch. Ebenfalls ein Pluspunkt ist die Story, die zwar auf dem ersten Blick recht simpel gestrickt ist, aber dennoch einigen Reiz besitzt. Kein Wunder, denn als Vorbild stand William Shakespeares Der Sturm Pate. Auf der anderen Seite merkt man dem Film oft an, in welcher Zeit er entstanden ist. Aber genau diese manchmal unfreiwillig komische Naivität macht gleichzeitig den großen Reiz von Alarm im Weltall aus. Im Laufe der weiteren Filmgeschichte entwickelt sich der Film zu einem richtigen Genreklassiker, der gleichzeitig Vorbild für viele andere wurde. Besonders die frappierende Ähnlichkeit mit Star Trek ist faszinierend und kein Zufall. In einigen Interviews hat gab Gene Roddenberry seine Inspiration durch den Streifen zu. Sein Einfluss ebnete auch den Weg für viele andere SF-Filme wie 2001: Odyssee im Weltraum oder Star Wars.

Für den heutigen Zuschauer ist es zunächst ungewohnt Leslie Nielsen, der mit den Nackte Kanone-Filmen zu spätem Ruhm gekommen ist, in einer ernsten Charakterrolle zu sehen. Zu jener Zeit war er jedoch einer der vielen Vertragsschauspieler von MGM und hatte in zahlreichen Produktionen jeglicher Couleur mitgewirkt. Schon lange vor der dreiteiligen Filmserie der Zucker-Brüder blickte Nielsen auf eine sehr lange Karriere in Film und Fernsehen zurück, in denen er nicht immer nur den Blödian gab. Als Dr. Morbius brilliert das schauspielerische Schwergewicht Walter Pidgeon, der bei der Entstehung von Forbidden Planet schon als richtiger Star galt. Seine Rolle weicht von dem gängigen Klischee des Mad Scientist ab, da Morbius eher unbewusst in eine Situation getrieben wird, in der das Unterbewusstsein über den Intellekt siegt und lange verschüttete Triebe an die Oberfläche getrieben werden. Auch wenn der ein oder andere Schauspieler vom breiten Publikum vergessen ist, eine Figur ist bis heute in vielen Medien präsent: Robby, the Robot. In diesem Film hatte er seinen ersten Auftritt und klackerte sich mit seinen Schaltkreisen in die Herzen der Zuschauer. Er hatte im Verlauf der Zeit noch zahlreiche Auftritte in diversen Filmen und TV-Serie und gehört heute fest zum äußeren Bild, das viele vom Science Fiction-Film haben. Ähnlich wie die Zeitmaschine aus dem gleichnamigen Film von George Pal aus dem Jahr 1960.

Aber Forbidden Planet hat noch eine weiter Besonderheit zu bieten, die ihn einmalig macht: Er ist der erste Film mit einem komplett elektronisch erzeugten Soundtrack. Dabei muss man bedenken, dass es Mitte der 50er Jahr den Synthesizer, wie man ihn heute kennt, nicht gegeben hat. Zwar hatte man mit dem Theremin (zu hören in The Day the Earth stood still  oder The Thing) eine Art elektronische Geige erfunden, doch die Klänge von Louis und Bebe Barron unterscheiden sich sehr von normaler Musik. Vielmehr untermalen sie das fremdartige Ambiente von Altair 4 mit all seinen Umweltgeräuschen in einer so perfekten Weise, wie kaum ein nachfolgender Genrefilm.

Forbidden Planet war schon länger Zeit in den USA im Handel, bevor sich Warner Home Video entschied für das 50jährige Jubiläum eine Special Edition und einen neuen Transfer auf den Markt zu werfen. Der neue Transfer des Bildes ist für einen Film dieses Alters einfach atemberaubend. Das Filmbild selbst weist keinerlei größere Mängel oder Schäden auf. Die Farbe und der Kontrast lassen es sehr knackig wirken, so dass man es kaum glauben kann, es mit einem Streifen zu tun zu haben, der schon 50 Jahre auf dem Buckel hat. Ebenfalls interessant sind die Details, die sich sehr gut hervorheben. So erstrahlt der Cinemascope-Film in einen Glanz wie man es von den Special Editions von Ben-Hur oder

Vom Winde verweht gewöhnt ist. Der Ton liegt in Deutsch nur in Mono vor und kann durch klare Dialoge überzeugen. Der englische Ton wurde so räumlich wie möglich abgemischt, wobei vor allem die elektronischen Töne des Soundtracks über die Effektboxen sehr gut herüber kommen. Auch in der Originalfassung klingen die Dialoge sehr frisch.

Für die HD-Auswertung auf Blu-ray unterzog man den Film einem erneuten Transfer, der eine nochmalige Steigerung gegenüber der DVD bietet. Das Bild macht einen sehr frischen, farbenfrohen Eindruck, die Schärfe und der Kontrast bieten ein sehr plastisches Bild. Am deutschen Ton wurde keine große Änderung vorgenommen, dieser liegt nach wie vor in Mono vor. Die englische Originalfassung wurde noch etwas aufgemotzt, bietet aber kein wesentlich breites Klangbild als die DVD.

Wie weiter oben schon erwähnt ist der heimliche Star von Alarm im Weltall Robby Robot. Ihm ist auch ein großer Teil der Specials gewidmet. Neben einer kompletten Episode der US-Serie The Thin Man aus dem Jahr 1958, in der der Roboter eine Rolle spielt, findet man auch den Kinofilm The Invisible Boy, der in Deutschland unter dem Titel SOS Raumschiff firmiert. Sowohl die TV-Episode als auch der Film zeichnen sich durch ein exzellentes Schwarzweißbild aus, das nichts über das Alter des Ausgangsmaterials verrät. Einziges Manko bei The Invisible Boy ist das Fehlen einer deutschen Tonspur. Dafür kann man zu dem Originaldialog deutsche Untertitel hinzu schalten, falls Bedarf dazu besteht.

Hinzu kommen noch Ausschnitte aus einer MGM-Werbesendung aus den 50ern geboten, in der es um Forbidden Planet geht. Außerdem werden dem Zuschauer noch eine Menge Deleted Scenes angeboten, die leider nur in VHS-Qualität vorliegen. Ebenfalls sehr sehenswert sind auch die restaurierten Testaufnahmen für die Special Effects, die vor geraumer Zeit in einem Filmarchiv aufgetaucht sind.

Damit ist allerdings der Reigen der Extras der Blu-ray nicht erschöpft.  Die TV-Doku Watch The Skies beschäftigt sich mit der Bedeutung der SF-Filme aus den 50er Jahren auf heutige Regisseure. Namhafte Regisseure wie Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott und James Cameron erzählen einiges über die Filme mit denen sie aufgewachsen sind. Weiter geht es mit zwei weiteren Dokumentationen über die Entstehung von Forbidden Planet und über Robby Robot, bei man einige interessante Interviewpartner wie den SF-Autor Alan Dean Foster oder die Darsteller Leslie Nielsen und Anne Francis zu sehen bekommt.

Alarm im Weltall macht auf Blu-ray eine verdammt gute Figur. Der HD-Transfer bietet einiges mehr als die schon exzellente Doppel-DVD. Auf der anderen Seite werden aber auch Dinge sichtbar, die man vorher nicht gesehen hat, was vor allem einige der Spezialeffekte betrifft. Den Spaß am Film selbst schmälert dies aber in keiner Sekunde. Ebenfalls positiv ist die Übernahme der rund vier Stunden Bonusmaterial von der vorangegangenen Edition. Insgesamt gesehen also eine sehr runde Mischung für einen großen Klassiker der Filmgeschichte, der eigentlich im keinem gutsortierten Regal fehlen sollte.

Alarm im Weltall
Originaltitel: Forbidden Planet
Regie: Fred McLeod Wilcox
Darsteller: Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen, Warren Stevens, Richard Anderson, Earl Holliman, u. a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.40 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Deutsch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch (DD 1.0), Englisch (DTS-HD MA 5.1)
Special Features: Kompletter Spielfilm: The Invisible Boy, TV-Episode aus der Serie The Thin Man, Deleted Scenes, Ausschnitte aus MGM Parade, 3 Dokumentationen, Trailershow.

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