Der große Krieg der Planeten

Gerne erinnere ich mich an die Samstagnachmittage, an denen man sich in Kino die Zeit mit dem ein oder anderen Film vertrieb. „Jugendvorstellung“ nannte man das in der Ära bevor man sich VHS-Kassetten in Videotheken bekam und es auch noch keine Videorekorder gab. Natürlich wurden nicht die neusten Filme gezeigt. Meist waren es ältere Sachen wie italienische Sandalenfilme, harmlose Kung-Fu-Streifen wie Sie nannten ihn Knochenbrecher oder auch amerikanische und japanische SF-Filme. Ein ganz besonderes Event waren immer die Godzilla-Filme, die sehr großen Anklang beim meist jugendlichen Publikum fanden. Nichts geht über eine ordentliche Rauferei auf der Leinwand. Zumindest nicht bei den Kaiju-Sachen. Und ja, heute nennt man sowas SchleFaz.

Der große Krieg der Planeten beginnt mit einem Angriff von kugelförmigen UFOs auf die Erde. Nicht nur Raumstationen werden vernichtet, sondern auch alle größeren Städte. Wie sicher herausstellt kommen die Angreifer von der Venus und ihr Mutterschiff ist eine riesige Galeere, die durch den Weltraum rudert. Guter Rat ist teuer, den der japanische Wissenschaftler Professor Takigawa auch zu bieten hat. Vor vielen Jahren hat er mit dem Bau des Raumschiffs GOTHEN begonnen, das genau für ein solches Ereignis konzipiert wurde. Doch man hat es nicht fertiggestellt, was nun in kürzester Zeit nachgeholt wird. Zusammen mit einer wagemutigen Crew bricht er zur Venus auf, um den dortigen Bewohnern zu zeigen, wo der Hammer hängt…

Sorry, wenn das jetzt respektlos klingt. Tatsächlich gilt die Produktion Toho Company als Antwort auf George Lucas Star Wars, obwohl er rund ein halbes Jahr vor dem amerikanischen Weltraumepos auf die japanischen Leinwände kam. Interessanterweise haben die beiden Produktionen wenig miteinander gemein. Bis auf ein venusisches Pelzmonster, das einem gewissen Wookie entfernt ähnlichsieht. Vielmehr kann man die Vorbilder eher vor der eigenen Haustür finden. Man fühlt sich entfernt an eine Animiserie erinnert, die als Space Battlecruiser Yamato auch vor einigen Jahren real verfilmt wurde. Aber eher fühlt man sich bei den Abenteuern der GOTHEN eher an die GOTENGO aus dem Film U 2000: Tauchfahrt des Grauens aus dem Jahr 1963 erinnert.

Auch wenn keine Kaijus sich über die Leinwand kloppen, hat der Film einiges mit ihnen gemeinsam. Das betrifft nicht nur den Regisseur Jun Fukuda, der einige Beiträge zur Showa-Reihe von Godzilla beitrug. Auch das gleiche Trickteam steckt hinter dem Projekt. Dementsprechend fallen auch die Effekte aus, die im Prinzip eigentlich recht gelungen sind. Zumindest für die Verhältnisse dieser Art von Film. Dennoch bekommt man ein recht buntes Abenteuer geboten, das sich im Verlauf zu einer richtigen kleinen Trashperle entwickelt. Genau das richtige für einen Nachmittag auf der Couch, an dem sich am offenen Gehirn massieren lässt.

Auf der hier besprochenen DVD liegt die ungekürzte japanische Fassung vor. Die bisher fehlenden Szenen liegen allerdings nur in Englisch vor, nicht in der japanischen Sprachversion. Erschienen ist die Scheibe in einer limitierten Auflage von 1000 Stück bei dem Label White Pearl/Laredo, das bisher eher durch Western auf DVD und Blu-ray auf sich aufmerksam gemacht hat. Jetzt sind auch trashige SF-Filme im Programm.

Auch wenn das Mediabook von Der große Krieg der Planeten sehr schick daherkommt und das 16-seitige Booklet einiges an Informationen zu bieten hat, die technische Umsetzung der DVD lässt mehr als zu wünschen übrig. Das beginnt schon mit der Bildqualität, die eher auf dem Niveau einer alten VHS-Cassette liegt; es fehlen eigentlich nur noch klassischen Dropouts. Bei den Tonspuren sieht die Sache ähnlich aus. Alle drei wirken angestaubt und sind sehr dumpf abgemischt.

Auch wenn es sich um einen recht trashigen Film handelt, eine etwas bessere Umsetzung auf DVD wäre wünschenswert gewesen. Auf der anderen Seite verfügt die etwas schlampige Präsentation einen gewissen Charme, der schon etwas zu dem Flair des Streifens beiträgt. Also eigentlich genau das richtige für einen verregneten Nachmittag oder für einen vergnüglichen Filmabend mit Freunden.

Nachbemerkung: Das hier besprochene Mediabook ist auf 1000 Exemplare limitiert. Für November 2019 ist eine Veröffentlichung auf Blu-ray geplant. Es bleibt zu hoffen, dass sie ein besseres Master als Grundlage hat. Demnächst mehr dazu in diesem Theater.

Der große Krieg der Planeten
Originaltitel: Wakusai daisenso
Japan 1977
Regie: Jun Fukuda
Darsteller: Kensaku Morita, Yuko Asano, Ryo Ikebe, Masaya Oki, Hiroshi Miyauchi, Akihiko Hirata, David Perrin, u. a.
Region: 2
Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0 [Mono]), Japanisch (Dolby Digital 2.0 [Mono]), Englisch (Dolby Digital 2.0 [Mono])
Extras: Trailer, Bildergalerie, Booklet
Länge: ca. 87 Minuten